Keine schnelle Nummer – warum ich mir diesmal Zeit lasse

In die Gänge kommen

Seit Monaten habe ich das Gefühl, nicht richtig voranzukommen.
Entscheidungen dauern länger. Texte entstehen langsamer. Manche Tage fühlen sich zäh an, als würde etwas in mir auf der Bremse stehen.

Früher hätte ich mich in meine Helfer-Rolle geflüchtet. Lösungen für andere zu finden war mein Ablenkungsmanöver.

Heute lasse ich es zu, keine Antworten parat zu haben und frage mich, ob diese Langsamkeit vielleicht einen Zweck erfüllt.

Mein Kopf versteht längst, dass ich mich verändere.

Aber innerlich fühlt sich Verwandlung häufig nicht wie ein inspirierender Neubeginn an, sondern wie Kontrollverlust.

Das Gefühl der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit ist manchmal schwer auszuhalten. Die Radikalität, mit der viele Bereiche meines Lebens gerade auf dem Prüfstand stehen, lässt mich hin und wieder wie gelähmt zurück.

 

Zwischen Altem und Neuem

Meine alte Identität bröckelt Stück für Stück und vieles, was früher von Wert war, ist jetzt unwichtig geworden.

Genau genommen befinde ich mich schon länger in dieser diffusen Neuorientierung. Die Aufgabe meiner Heilpraktiker-Praxis war ein Schritt, der mir viel Energie abverlangt hat und die Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen.

Die Spitze des Eisbergs war allerdings, als ich vor ein paar Monaten meine Katze Fany einschläfern lassen musste.

Seitdem steht die Zeit still.

 

Trauer hat ihr eigenes Tempo

Die Trauer um Fany verlangsamt mein Leben enorm. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel geweint zu haben. Es kommt mir so vor, als würden meine Tränen alte Themen an die Oberfläche spülen und es scheint, als würde sich etwas lösen, vielleicht sogar erlösen.

Dafür nehme ich mir Raum.

Früher kam in jedem zweiten Satz das Wort „schnell“ vor. Schnell noch den Einkauf erledigen, oder schnell zum Sport fahren. Schnell das Abendessen vorbereiten und natürlich schnell die Wäsche waschen.

Jetzt ist es oft so, dass ich einfach nur sitze. Ich atme und wenn Tränen kommen bleibe ich und atme.

Ich beobachte meine Trauer und erkenne, dass ich eine andere werde. Ganz langsam, fast subtil verändert sich meine Wahrnehmung, Gerüche werden intensiver, Geräusche lauter.

Früher sagte ich oft „ja“, bevor ich überhaupt gespürt hatte, was ich selbst brauche.
Heute taucht immer öfter ein „nein“ auf. Leise, aber klar.

 

Langsamläufer – langsam und gründlich

Astrologisch betrachtet ergibt gerade vieles Sinn. Der viel zitierte Phönix aus der Asche, der heutzutage schon fast zum Lifestyle gehört, ließe sich auch in meinem Horoskop wunderbar „verwurschteln“.

Die Langsamläufer aktivieren zentrale Punkte in meiner Radix, was sich weniger wie ein Umbruch als wie eine allmähliche Häutung anfühlt.

Früher hätte ich versucht, aus dieser Phase möglichst schnell etwas Sinnvolles zu machen. Einen Plan. Eine Erkenntnis. Eine neue Identität.

Heute übe ich mich darin, nicht sofort weiterzugehen und bin ziellos.

Vielleicht ist genau das die Arbeit der Langsamläufer:
Sie zwingen uns nicht zur Veränderung.
Sie verlangsamen uns so lange, bis wir beginnen, uns selbst wieder zu spüren.

Ich weiß nicht, wohin mich diese Zeit führt.
Aber zum ersten Mal seit Langem habe ich nicht mehr das Bedürfnis, sofort dort ankommen zu müssen.

 

Bild von Wer schreibt hier?

Wer schreibt hier?

Ich bin Christine, Leise-Treterin mit Sonne im 5. Haus.

Schreiben begleitet mich durch Zeiten des Wandels, der Trauer und des Neubeginns.

Hier teile ich persönliche Erfahrungen, stille Beobachtungen und astrologische Reflexionen.

Vielleicht findest du zwischen meinen Zeilen einen Moment zum Innehalten.

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