Warum ich meine Heilpraktiker-Praxis nach 12 Jahren aufgegeben habe
Als mir eine meiner Kinderwunsch-Patientinnen freudestrahlend erzählte, dass sie schwanger ist und ich ihre Freude nicht erwidern konnte, wusste ich, da läuft was in die falsche Richtung.
Heilpraktikerin zu sein, war meine Leidenschaft. Ich habe viel Herzblut in den Aufbau meiner Praxis gesteckt und der Austausch mit Patienten erfüllte mich. Bis es soweit gekommen ist, keine echte Begeisterung mehr bei meiner Arbeit zu empfinden, hat sich Vieles in mir verändert.
Warum ich Heilpraktikerin wurde
Meine Motivation war nicht, zu helfen – zumindest nicht an erster Stelle.
Der eigentliche Grund, warum ich Heilpraktikerin wurde, lag viel tiefer. Auch wenn mir das damals noch nicht bewusst war.
Ich wollte meinem Leben Bedeutung geben.
Davor hatte ich mich bereits in meinem ersten Beruf vollkommen verausgabt.
Ich war Damenschneider-Meisterin mit eigenem Atelier und liebte es, kreativ zu arbeiten – Stoffe, Schnitte, das Entwerfen eigener Kollektionen.
Ich hatte die Vorstellung von einer unabhängigen Frau, die ihr eigenes Unternehmen aufbaut und sich selbst verwirklicht.
Ich wollte zu schnell zu viel – und irgendwann ging nichts mehr.
Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mir eingestehen, dass Leidenschaft allein nicht davor schützt, sich selbst zu verlieren.
Rückblickend war das auch das erste Mal, dass ich eine Identität loslassen musste, die ich mir aufgebaut hatte.
Zu dieser Zeit beschäftigte ich mich bereits intensiv mit Astrologie und hatte eine zweijährige Ausbildung zur psychologischen Astrologin abgeschlossen.
Die Astrologie faszinierte mich, weil sie etwas berührte, das ich in meinem bisherigen Leben vermisst hatte – das Gefühl, dass hinter Krisen, Brüchen und inneren Konflikten ein tieferer Sinn liegen könnte.
Astrologie inspirierte mich schließlich dazu, Heilpraktikerin zu werden.
Ich wollte astrologisches Wissen mit medizinischem Verständnis verbinden und Menschen nicht nur körperlich, sondern ganzheitlich begleiten.
Und vielleicht wollte ich damals auch mir selbst beweisen, dass aus meinem eigenen Zusammenbruch etwas Sinnvolles entstehen konnte.
Ich betrat Neuland und stürzte mich voller neuer Energie in den Aufbau meiner Praxis.
Und wieder begann ich, mich über Leistung zu definieren.
Mein Selbstbild hing zunehmend davon ab, Menschen zu helfen. Sie zu begleiten. Sie „heil“ zu machen.
Mit jedem Behandlungserfolg fühlte ich mich wertvoll.
Mit jedem Rückschlag zweifelte ich an mir.
In den folgenden zwölf Jahren baute ich eine erfolgreiche Praxis auf, spezialisierte mich unter anderem zur Beckenbodentherapeutin und wurde für viele Menschen eine vertrauenswürdige Ansprechpartnerin.
Nach außen wirkte vieles stimmig.
Ich hatte mir erneut eine Identität erschaffen, auf die ich stolz sein konnte.
Doch wo blieb ich dabei?
Ich funktionierte, kümmerte mich, hörte zu, trug mit.
Aber ich spürte immer weniger, wie es mir selbst eigentlich ging.
Vielleicht hatte ich so sehr gelernt, für andere da zu sein, dass ich den Kontakt zu mir selbst langsam verlor.
Je mehr ich in meiner Rolle als Therapeutin aufging, desto weniger nahm ich wahr, wie erschöpft ich innerlich bereits war.
Aufhören, wenn`s am Schönsten ist – oder warum nach 12 Jahren Schluss war
Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, ich hätte denselben Fehler ein zweites Mal gemacht.
Wieder zu viel gearbeitet. Wieder zu viel gegeben. Vielleicht auch zu sehr davon abhängig gewesen, gebraucht zu werden.
Doch innerlich war etwas anderes passiert.
Die Jahre in meiner Praxis haben mich näher zu mir selbst geführt.
Langsam. Fast unmerklich.
Da war irgendwann dieses leise Gefühl in mir.
Wie ein inneres Summen, das mit der Zeit immer deutlicher wurde.
Und irgendwann konnte ich nicht mehr weghören.
Das Bedürfnis, einfach zu sein, ohne ständig leisten zu müssen, wurde immer größer.
Nicht mehr halten – sondern selbst gehalten werden.
Nicht mehr auffangen – sondern mich fallen lassen dürfen.
Ich sehnte mich nach einem Leben, in dem ich nicht permanent Lösungen finden muss.
Nach Zeit zum Reflektieren. Zum Atmen. Zum Spüren.
Meine Praxis war nicht einfach ein Beruf. Sie war mein Lebensinhalt geworden.
Und genau deshalb wusste ich: Ich kann sie nicht halbherzig weiterführen.
Also zog ich die Reißleine.
Nicht, weil ich plötzlich wusste, wohin ich wollte.
Sondern weil ich wusste, dass ich so nicht weitermachen konnte.
Alte Liebe Astrologie
Astrologie begleitet mich eigentlich schon mein halbes Leben.
Lange Zeit lief sie still nebenher, während ich mir andere Identitäten aufbaute.
Heute fühlt es sich an, als würde ich langsam zu meinem eigentlichen Ausgangspunkt zurückfinden.
Früher glaubte ich, mein Horoskop zu verstehen. Heute entdecke ich darin immer neue Ebenen. Mein Radix wird lebendig und begleitet mich in Zeiten des Wandels und intensiven Verstehens.
Vielleicht komme ich im letzten Drittel meines Lebens zum ersten Mal wirklich bei mir selbst an.
Astrologisch gesehen befinde ich mich gerade an der Schwelle zum eigentlichen Kern meiner Persönlichkeit.
Beratend tätig zu sein, bedeutet für mich heute vor allem, Räume zu öffnen.
Nicht sofort Lösungen finden zu müssen.
Sondern gemeinsam hinzusehen, bewusst zu machen und Fragen auszuhalten.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass das Schreiben gerade immer wichtiger für mich wird.
Früher wollte ich Menschen behandeln. Heute möchte ich Gedanken ordnen, Zusammenhänge sichtbar machen und Worte für innere Prozesse finden, die sich oft nur schwer greifen lassen.