Schreiben als Weg zu mir selbst
Schon als Kind hatte ich den Wunsch, zu schreiben.
In meiner romantischen Vorstellung sah ich mich vor meinem Haus am Meer sitzen und Krimis verfassen. Bestseller sollten es werden und auf Lesereise wollte ich gehen.
Die Vorstellung, im stillen Kämmerlein meine Gedanken zu Papier zu bringen und sie dann mit der Welt zu teilen, faszinierte mich. Der Wechsel von innerer Einkehr einerseits und der Überwindung, mich in der Öffentlichkeit zu zeigen, andererseits, übt bis heute einen Reiz auf mich aus.
Als Rita Falk ihren ersten Eberhofer Krimi veröffentlichte, war ich extrem neidisch und dachte mir: „Ja, sie lebt meinen Traum!“
Mein Neid hat sich mittlerweile gelegt, das Bedürfnis, meinen eigenen schreibenden Weg zu gehen, ist geblieben.
Heute sitze ich in meinem kleinen Waldhäuschen, kratze Buchstaben von den Wänden und forme daraus Geschichten. Okay, des Meer fehlt, aber ich habe ja Fantasie und manchmal bilde ich mir ein, das Meeresrauschen zu hören. Oder ist es das Rauschen des Waldes?
Liebes Tagebuch
Tagebuch schreiben gehört schon seit vielen Jahren zu meinem täglichen Ritual. Noch im Nachthemd, bei einer Tasse Kaffee, schreibe ich morgens in meinem Lieblingssessel auf, was mir in den Sinn kommt.
In Anlehnung an Julia Camerons Morgenseiten schreibe ich einfach drauf los. Manchmal ist es ein Traum der vergangenen Nacht, manchmal ein Impuls, oder auch einfach nur, was für den kommenden Tag geplant ist. Die Gedanken entstehen während des Schreibens, ohne Vorgabe und ohne Ziel. Mein Unterbewusstsein spricht dann mit mir und ich hatte schon so manchen Aha-Effekt während meinen morgentlichen Schreib-Sessions.
Auch trainiere ich meinen Schreibmuskel, weil ich glaube, dass ich besser schreibe, indem ich schreibe.
Die Gründe, warum ich mich nun, in meinen Fünfzigern, ernsthaft mit dem Schreiben befasse, gehen weit über Tagebuch schreiben hinaus.
Schreiben als Verbindung zu mir selbst
Manchmal bin ich selbst überrascht von meinem Geschreibsel. Ich sitze vor einer leeren Seite und bin erstaunt, welche Bilder in mir entstehen und aus mir heraus wollen.
Es sortiert sich etwas in mir, als würde ich einen Wollknäuel entwirren. Entlang des Fadens hangle ich mich von Wort zu Wort und von Gedanke zu Gedanke, bis aus einem Wirrwarr langsam Klarheit entsteht.
In solchen Momenten gebe ich meinem Gefühl eine Stimme und bin mit mir verbunden.
Schreiben, um Erinnerungen festzuhalten
Als meine Katze Fany gestorben ist, hatte ich Sorge, dass ich vergesse, wie sie war.
Also schrieb ich über sie.
Während des Schreibens wurde sie wieder lebendig. Ich erinnerte mich an viele kleine Momente mit ihr, die mir bewusst machten, wie sehr sie mein Leben bereichert hat.
Ich vermisse sie noch immer. Manchmal finde ich zwischen meinen Zeilen Trost. Und Dankbarkeit.
Die Erinnerungen an Fany haben mich über viele Monate begleitet. Einige der Texte, die in dieser Zeit entstanden sind, gehören bis heute zu den persönlichsten auf meinem Blog.
Schreiben über meine Erfahrungen
Abschiede und Neuanfänge sind Bestandteil meines Lebens wie der Wechsel der Jahreszeiten.
Ob ich ohne all diese Erfahrungen den gleichen Drang zum Schreiben verspüren würde? Vielleicht würde ich schreiben, aber anders.
Mit meinen Texten möchte ich weder Antworten geben noch den Anspruch erheben, die Wahrheit zu kennen. Ich erlaube mir, selbst Suchende zu sein und über Zweifel und kleine Erkenntnisse zu schreiben.
Es gibt Tage, an denen ich mich verliere, und solche, an denen ich mich zwischen meinen Zeilen wiedererkenne. Manchmal ist es schwerer, Fragen auszuhalten, als eine schnelle Lösung parat zu haben.
Vielleicht findet sich jemand in meinen Texten wieder und geht ein Stück des Weges mit mir. Dann entsteht das, wonach ich mich beim Schreiben sehne: Verbindung.
Schreiben, um mir selbst eine Stimme zu geben
Früher blieben meine Gedanken und Gefühle meistens unausgesprochen. Ich hatte eine Meinung, aber niemand fragte danach, also blieb ich stumm.
Die Stimme zu erheben hätte kämpfen bedeutet, und dazu war ich als jüngste von vier Kindern nicht in der Lage.
Heute ist es anders. Schreiben bedeutet, Position zu beziehen. Ich zeige, wer ich wirklich bin. Nicht, weil ich Recht haben will, sondern um zu sagen:
Ich bin da!
Dem roten Faden folgen
Schreiben begleitet mich schon beinahe mein ganzes Leben.
Fast ebenso lange beschäftige ich mich mit Astrologie.
Über sie tauche ich in Lebenszyklen ein. Sie ist für mich vor allem eine Sprache, mit der ich mich selbst und die verschiedenen Phasen meines Lebens betrachte.
Manchmal kommt es mir vor, als würde ich dabei einem roten Faden folgen. Rückblickend erkenne ich Zusammenhänge, die mir lange verborgen geblieben sind. Themen, die wiederkehren. Fragen, die mich begleiten. Und Wege, die sich erst erschließen, wenn ich sie bereits ein Stück gegangen bin.
Im Moment zeigt mir die Astrologie sehr deutlich, was ich eigentlich schon wusste:
Schreiben ist kein Hobby mehr. Es ist mein Weg geworden.
Über die Beschäftigung mit meinem Horoskop wird deutlich:
- Dass ich schreibe, um mich zu verstehen.
- Dass ich schreibe, um Verbindung herzustellen.
- Und dass ich schreibe, weil manche Wahrheiten erst sichtbar werden, wenn ich ihnen Worte gebe.