Leicht zusammengesackt schlurfe ich mit einer Tasse Kaffee in Pantoffeln und Morgenmantel durch meinen Garten. Ich bin auf der Suche. Nein, nicht die sprießenden Krokusse und Schneeglöckchen interessieren mich. Auch den Kirschbaum, der seine Knospen erwartungsvoll Richtung blauer Himmel streckt, lasse ich links liegen. Und das um die Wette Gezwitscher der Amseln will ich schon gar nicht hören.
Ich suche meine kleine Katze Fany. Macht der Gewohnheit. Bei schönem Wetter saßen wir häufig morgens zusammen auf der Bank unter der Tanne. Das Katzi kam dann gerade von ihrem nächtlichen Ausflug zurück und wir genossen ein paar Momente der Zweisamkeit. Jetzt hat sie ihre letzte Ruhe unter der Tanne gefunden. Sie ist bei mir. Und auch wieder nicht.
Als wir Fanys Grab aushoben, war sie noch am Leben.
Das Loch im Boden, in das sie später gebettet werden sollte, interessierte sie kein bisschen. Einmal außen herum gehoppelt – und dann schnurstracks weiter zu neuen Abenteuern.
Genau das machte das Abschiednehmen so schwer.
Unser kleiner Wirbelwind war voller Lebenslust, trotz ihres fehlenden Hinterlaufs.
Für mich bedeutet Frühling, meinen Garten aus dem Winterschlaf zu wecken. Ich liebe es, aufzuräumen und mich voller Vorfreude auf die bevorstehende Saison vorzubereiten. Der erste Huflattich spitzelt und ich bereite Bärlauchpesto, das wir direkt aus der Schüssel löffeln.
In diesem Jahr wird es anders sein.
Wenn ich das Laub zusammen reche, habe ich manchmal das Gefühl, einen schwarzen Schatten aus den Augenwinkeln wahrzunehmen. Beim Hecke schneiden hätte sie in den Ästen getanzt – immer kurz vor dem Absturz, aber immer oben auf.
Wie hätte meine kleine Mietz es genossen, den Frühling zu begrüßen. Endlich wieder mausen und die Nächte drausen verbringen.
Überall wird jetzt vom Neubeginn gesprochen.
In der Astrologie beginnt mit dem Frühling ein neues Jahr. Widderzeit. Aufbruch.
Und doch fühlt sich mein Inneres ganz anders an.
Eigentlich würde ich jetzt mit der Anzucht meiner Tomaten und Blumen beginnen. Die Saat legen – ganz im Sinne der Widderzeit, die für Neubeginn und erste Schritte steht.
Eigentlich.
Denn mein Inneres rebelliert bei dem Gedanken, dass das Leben einfach weitergeht. Dass Fröhlichkeit einkehren darf, obwohl ich doch gerade einen so wichtigen Teil meines Lebens verloren habe.
Im Gartenmarkt mache ich in diesem Jahr einen großen Bogen um das Regal mit den Anzuchtsamen.
Das Päckchen mit den Zitronengurken, die ich heuer ausprobieren wollte, liegt verschlossen im Schrank.
Ich mache das Nötigste, taste mich langsam vor. Gehe kleine Runden im Garten – immer in dem Gefühl, dass für mich ein neuer Abschnitt beginnt, für den ich noch nicht bereit bin.
Ich nehme vorsichtig Abschied in einer Zeit, in der alles vorwärts drängt.
Wenn ich auf der Bank unter der Tanne sitze, überkommt mich Wehmut. Ich stelle mir vor, dass sie gleich um die Ecke angehoppelt kommt.
Ehe sie sich zu mir gesellt hätte, hätte sie sich erst ihre Krallen an der Tanne manikürt – und dabei ausgiebige Dehnübungen vollführt, die mich immer zum Lachen brachten.
Jetzt beginnt also eine neue Zeit.
Und ich hänge noch fest in der alten.
Ich muss mich neu organisieren – wobei es nicht nur um den Verlust einer geliebten Katze geht. Mein Gefühl von Sicherheit bröckelt oder definiert sich neu.
Das persönliche Erleben im Frühjahr kann sich stark vom allgemeinen Grundton unterscheiden.
In meinem Fall nehme ich nicht nur Abschied von Fany. Ich nehme Abschied von einem Teil von mir, der nicht mehr funktioniert.
Dafür gebe ich mir Zeit und Raum. Entgegen der Vorwärtsbewegung des Frühlings ziehe ich mich zurück und versuche herauszufinden, was in meinem Leben noch trägt.
Normalerweise finde ich Lösungen, wenn Probleme auftauchen, aber durch Fanys Tod wurde mir buchstäblich der Boden unter den Füßen weggerissen.
Es ist an der Zeit, still zu bleiben und auszuhalten, dass da gerade kein „weiter so“ möglich ist. Den Mut aufbringen, nicht nach vorn zu schauen, sondern Zweifel und Haltlosigkeit zulassen.
Und während ich auf der Bank unter der Tanne sitze, spüre ich, dass nicht alles sofort weitergehen muss.
Vielleicht ist das meine ganz eigene Form von Aufbruch.
Kein lauter Neubeginn, kein mutiger Sprung nach vorn.
Sondern ein leises Innehalten.
Der Frühling kommt trotzdem. Die Natur kennt kein Zögern.
Aber ich darf mir mein eigenes Tempo erlauben.
Vielleicht beginnt auch ein neues Jahr nicht immer mit einem Schritt nach draußen — sondern manchmal mit einem Schritt nach innen.
Ich bin Christine, Leise-Treterin mit Sonne im 5. Haus.
Schreiben begleitet mich durch Zeiten des Wandels, der Trauer und des Neubeginns.
Hier teile ich persönliche Erfahrungen, stille Beobachtungen und astrologische Reflexionen.
Vielleicht findest du zwischen meinen Zeilen einen Moment zum Innehalten.
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