„Ich möchte sie einfach wieder haben!“

Wie oft habe ich diesen Satz in den letzten Wochen gedacht, geflüstert, geschrien.

Mein Verstand weiß, dass das nicht passieren wird. Mein Herz jedoch ist voller Trauer und will diese hoffnungslosen kleinen Momente des Abschieds einfach ungeschehen machen.

 

Nicht Bindungstrauma sondern tiefe Bindung

Manchmal komme ich mir fast albern vor. Es geht um eine Katze, die ich zugegebenermaßen sehr geliebt habe, aber auf keinen Fall gleichzusetzen ist mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen. Dachte ich. Vielleicht stimmt mit mir ja was nicht und es handelt sich um ein frühkindliches Bindungstrauma. Dachte ich.

Bis ich mich mit dem Thema „Tod eines Haustieres“ näher auseinandergesetzt habe und verstanden habe, dass mit mir alles in Ordnung ist. Ich bin ein Mensch, der tiefe Bindungen eingeht und ich habe einen Verlust erlitten, der mich auf verschiedenen Ebenen auffordert, inne zu halten und meine Trauer ernst zu nehmen.

 

Ohne sie

Immer, wenn ich in den letzten Wochen erzählt habe, dass ich meine Katze einschläfern lassen musste, habe ich mitleidige Blicke und Worte erhalten. Was es wirklich bedeutet, ein geliebtes Haustier zu verlieren, kann wahrscheinlich nur nachempfinden, wer es selbst erfahren hat.

Der leere Morgen, an dem man die Katzenklappe beobachtet, in der Hoffnung dass sie jeden Moment hereinschlüpft, leise Hallo sagt und sich ihre Kuscheleinheiten abholt, bevor sie schnurstracks zum Futternapf marschiert und sich noch einen kleinen Snack einverleibt, nachdem sie nachts bereits in ihrem Revier jagen war.

Die bittere Wahrheit, wenn beim nach Hause kommen am Abend keine Katze vor dem Gartentor wartet, sich auf den Rücken schmeißt und ihr Bäuchlein entgegenstreckt, in der Hoffnung auf ein wenig „Kraulerei“.

Wenn ich zurück denke, waren es unzählige kleine Rituale, die meine Katze Fany zu einem meiner wichtigsten Weggefährten machten. Sie begleitete mich durch den Tag, half mir, mich zu entspannen, brachte mich zum Lachen und hörte sich alle meine Gedanken geduldig an. Bei ihr konnte ich ungefiltert einfach sein. Kein Überlegen, ob ich richtig bin, kein Erklären und kein Anpassen.

Mit nur wenigen Menschen ist das in dieser Absolutheit möglich.

Und auch nicht jede Verbindung zu Tieren ist gleich stark.

Das intensive Gefühl von Nähe und Vertrauen zu Fany war ein Geschenk, welches es jetzt umso schwerer macht, den Verlust zu verarbeiten.

 

Hat Tiertrauer ein Ablaufdatum?

10 Wochen sind vergangen und ich frage mich, ob nicht irgendwann genug sein müsste. Genug Selbstmitleid – warum ist das passiert – und warum jetzt? Genug immer wieder durchspielen ihrer letzten Wochen. Genug Drama.

Irgendwann muss doch das Erinnern an die vielen schönen Momente mit meiner geliebten Katze überwiegen. Das Wissen, dass sie, trotz allem, ein gutes Katzenleben hatte. Die Einsicht, dass ich bis zum Schluss für sie da war und mein bestes gegeben habe. Die Dankbarkeit für die Vertrautheit, die ich mit ihr erfahren durfte.

Ja, irgendwann wird vermutlich all das kommen.

Doch solange lasse ich Schwere und Trauer zu und wehre mich nicht gegen aufkommende Freudlosigkeit, sondern passe mich meinem inneren Empfinden an.

 

Wellentage

An manchen Tagen ist es leichter, vor allem, wenn ich beschäftigt bin. Doch dann schwappt die Welle der Einsamkeit wieder über mich und ich sehe Katzenwolken am Himmel. Ich stelle mir vor, dass sie gleich von ihrer Wolke steigt und sagt: „Was hast du, ich bin doch bei dir!“

Mein Verstand weiß, dass das Nervensystem auf der Suche ist und kleine Symbole findet, die nach Fany aussehen.

Ein anderer Teil in mir wünscht sich, dass wir vereint sind und sie mir über Wolken am Himmel Zeichen sendet.

 

Der zweite Abschied

Als mir bewusst wurde, dass die Erinnerung an ihre körperliche Nähe verblasst, habe ich mich mit aller Macht gewehrt. Es fühlte sich an, als müsste ich sie zum zweiten Mal sterben lassen.

Fany verlor bei einem Autounfall ihren linken Hinterlauf und ich versuche mir ins Gedächtnis zu rufen, wie sich ihr „Stummel“ angefühlt hat, der im Laufe der Jahre richtig Muskulatur aufbaute. Sie hatte ihre ganz eigene Art, sich Raum zu verschaffen, auch, wenn sie auf mir lag. Sie breitete sich immer genau so aus, dass ich ihre linke Seite gut „bearbeiten“ konnte. Meine Mietz liebte es, durchgekrault zu werden und wenn ich aufhören wollte, schnappte sie manchmal zärtlich mit ihrer Pfote nach mir, wie um zu sagen: „Bleib noch!“ Wir waren ein richtig gutes Team, Blickkontakt genügte und ich wusste, was sie brauchte.

Das alles muss ich gehen lassen, oder wandeln. Erinnern bekommt eine andere Bedeutung.

 

Festhalten, aber anders

Nein, Fany war nicht nur eine Katze. Immer wieder hat sie mir gezeigt, wo ich zu festgefahren war, das Negative erwartet habe. Sie hat einfach aus allem, was war, das Beste gemacht. Und ich habe sie dabei unterstützt.

Als ich sie nach der Beinamputation aus der Klinik abholte, war das Erste, was sie wollte, ab nach draußen. Ich habe sie gewähren lassen, obwohl es schwer für mich war. Sie ist einfach ihrem Instinkt gefolgt, hat gelebt und vermutlich auch genossen. Sie gab mir grünes Licht, war da und wenn sie genug hatte, ging sie ihrer Wege.

Die Erinnerung an ihr weiches Fell unter meinen Händen wird irgendwann verblassen.
Aber das, was sie mir gezeigt hat, bleibt.
Vielleicht nicht in klaren Worten, sondern in kleinen Momenten.
Wenn ich loslasse, obwohl ich festhalten will.
Wenn ich dem Leben wieder ein Stück mehr vertraue.

Und wenn ich mir vorstelle, was Fany heute sagen würde, dann ist es wahrscheinlich nichts Großes.

Eher so etwas wie:
„Ist doch alles okay.“

Bild von Wer schreibt hier?

Wer schreibt hier?

Ich bin Christine, Leise-Treterin mit Sonne im 5. Haus.

Schreiben begleitet mich durch Zeiten des Wandels, der Trauer und des Neubeginns.

Hier teile ich persönliche Erfahrungen, stille Beobachtungen und astrologische Reflexionen.

Vielleicht findest du zwischen meinen Zeilen einen Moment zum Innehalten.

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