Ich liebe sie, diese Widder-Frauen

„Ich bin eigentlich gar kein typischer Widder!“

Diesen Satz höre ich häufig – allerdings ausschließlich von Frauen.

Meistens sitzen mir dabei echte Powerladys gegenüber, bei denen ich mich insgeheim frage, was an ihnen bitteschön nicht Widder sein soll.

Warum tun also ausgerechnet sie sich häufig so schwer mit diesem Hörnervieh?

Ich habe jedenfalls noch nie einen Widder-Mann sagen hören, er sei eigentlich gar kein richtiger Widder.

Da lohnt sich doch ein genauerer Blick auf die Sache mit den Frauen und dem Widder.

 

1. Der innere Wid(d)erstreit

Häufig ist die Widder-Energie bei Frauen von außen deutlich spürbar. Dass sie „Feuer unterm Hintern“ haben, merkt man spätestens, sobald man sie in Aktion erlebt. In der Regel sind das echte Macherinnen, sei es im Alltag, im Job oder in der Familie.

Und dennoch scheint bei manchen starken Frauen eine Ambivalenz zwischen Selbstbild und sichtbarer Widder-Energie zu bestehen.

Dabei können die Gründe vollkommen unterschiedlich sein.

 

1.1 Widder-Klischees

Was kommt uns zuerst in den Sinn, wenn wir an den „typischen“ Widder denken?

Ein Mensch mit großer Durchsetzungskraft, der seine Ziele mutig und unerbittlich verfolgt.
Jemand, der in der Lage ist, seine Ideen in die Tat umzusetzen, ganz spontan und ohne Umwege. Kampf und Eroberung stehen an erster Stelle, Kollateralschäden interessieren ihn dabei wenig.

Kurzum, ein Widdergeborener will mit dem Kopf durch die Wand. Und wenn die Wand nicht nachgibt, dann holt er einfach nochmal Schwung.

In der männlichen Ausgabe mag das alles noch etabliert sein.

Beim weiblichen Geschlecht entsteht bei denselben Eigenschaften dagegen schnell das Bild der Krawall-Barbie mit verminderter Impulskontrolle.

Doch hinter all den Klischees steckt eine ernsthafte Frage:

Können sich Widder-Frauen in diesen Stereotypen überhaupt wiederfinden?

Eine Frau, die ihren Mann steht, muss nicht automatisch ein Manns-Weib sein.

Vielleicht steckt in ihr, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, eine Schmusekatze.

Vielleicht ist sie Schmusekatze und Lara Croft.

Je nachdem, was das Leben gerade von ihr verlangt.

 

1.2 Was kleine Böckchen wollen

Nicht immer ist die Umgebung, in der wir aufwachsen, ein Ponyhof mit Zuckerwatte zum Frühstück.

Wenn wir vom Tierkreiszeichen Widder sprechen, meinen wir damit eigentlich, dass bei demjenigen die Sonne im Widder steht.

Die Sonnenqualität ist von Anfang an angelegt, wird aber im Laufe der Entwicklung zunehmend bewusst und will zu etwas Eigenem werden. In der Pubertät bekommt das Thema Identität und Abgrenzung dann besonderes Gewicht.

Ein Widder-Kind braucht Raum, seine Spontaneität, seinen Tatendrang, vielleicht auch seine Wut ausleben zu können. Es will sich mit anderen Kindern messen und seine Kräfte erproben.

Was, wenn körperlicher Bewegungsdrang zu gestauter Energie wird?

Was, wenn aus „Ich will“, „Ich darf nicht“ wird?

Davon betroffen sein können Jungs genauso wie Mädchen.

Und trotzdem könnte es einen Unterschied geben, wie Widder-Qualitäten bei einem Jungen und bei einem Mädchen bewertet werden.

 

1.3 Ganz schön männlich

Astrologisch betrachtet ist Widder ein männliches Zeichen. Soll das folglich heißen, dass Frauen mit der Sonne im Widder unweiblich sind?

Zunächst ist männliche Zeichenqualität aktiv und nach außen gerichtet.

Widder setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Hier kommen Dynamik, Entschlossenheit, Mut und Einsatzbereitschaft ins Spiel. Vielleicht auch Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Dominanz in der negativen Ausprägung.

Ich glaube, das sind Eigenschaften, die eine Frau nicht weniger weiblich machen.

Allerdings klaffen astrologische Symbolik und gesellschaftliche Wirklichkeit oftmals auseinander.

Während bei Männern ein starker Eigenwille als durchsetzungsstark gelesen werden kann, gelten Frauen mit der gleichen Eigenschaft unter Umständen eher als schwierig oder zickig.

Was passiert mit einer Widder-Frau, wenn sie schon als Mädchen lernt, dass ihre Willensstärke nicht „lady-like“ ist?

  • Vielleicht unterdrückt sie spontane Impulse.
  • Vielleicht weiß sie nicht, was sie wirklich will.
  • Vielleicht traut sie sich nicht, Nein zu sagen.

Vielleicht wartet sie auf Zustimmung, anstatt einfach loszugehen.

Und vielleicht setzt sie ihren Pionier- und Kampfgeist in erster Linie für andere ein.

 

1.4 Eine Widder-Sonne kommt selten allein

Sie steht in der Regel in Verbindung zu anderen Planeten im Horoskop.

Vielleicht möchte die Widder-Sonne loslaufen, während sich Saturn, zu dem sie in einem Spannungsaspekt steht, erst noch die Schnürsenkel ordentlich bindet.

Und schon entsteht ein anderes Bild.

Die Spontaneität des Widders wird dem Faktencheck des Saturns unterzogen.

Spontaneität ja – aber anders.
Während der Widder mit den Hufen scharrt, liest sich Saturn noch die Sicherheitsbestimmungen durch.

10 Planeten, 12 Häuser, dazu noch Aszendent, Mondknoten und Chiron. Die Entsprechungen sind schier unbegrenzt, weshalb sich ein Mensch mit Sonne im Widder unter Umständen in seinem Tierkreiszeichen nicht wiederfindet. Das gilt natürlich auch für alle anderen Sonnenzeichen.

 

2. Ich will. Und du?

Das gegenüberliegende Zeichen von Widder ist Waage.

Der Widder sagt: „Ich will.“

Die Waage fragt: „Hast du nicht was vergessen?“

Was bringt die Waage hinein? Das Du, das Abwägen, die Beziehung, den Blick auf die andere Seite. Das Gegenzeichen soll den Widder nicht korrigieren oder ihm sein Ich austreiben. Es erweitert seinen Blick.

Oder ganz einfach:

„Ich nehme mich wichtig, ohne dich unwichtig zu machen!“

 

3. Ungefiltert

Vielleicht fragst du dich jetzt, in welchem Zeichen bei mir die Sonne steht?
Dreimal darfst du raten…

In meiner Kindheit gab es einen geflügelten Ausdruck, wenn ich mal wieder nicht so ganz Prinzessin war und mein Sturkopf das Zepter übernahm – Schafbock.

Für mich hatte sich die Annäherung an mein Sonnenzeichen Widder damit fürs Erste erledigt.

Wirklich Ausdruck fand meine Widder-Energie als Kind nur, wenn ich mich im Turnverein so richtig auspowern konnte.

In meinem Fall kam noch dazu, dass ich das letzte von vier Kindern bin, was für einen Widder eigentlich schon eine Kränkung darstellt. Das erste Zeichen im Tierkreis an vierter Stelle?

Tja, wer zu spät kommt…

Das Widder-Girly in mir wollte ernst genommen werden. Es wollte seine spontanen Ideen zum Ausdruck bringen und dafür gelobt werden.

Stattdessen waren alle Rollen schon besetzt und alle Erfahrungen gemacht.

Und ich? Ich machte keine Zicken und war ein gutes Mädchen, brav und angepasst.

Heute ist das anders. Ich merke meistens ziemlich schnell, wenn ich mal wieder Tun mit Wollen verwechsle.

Jetzt geht es um dich.

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WER SCHREIBT HIER?

Ich bin Christine
Astrologin und Autorin von Zwischenzeiten

Ich schreibe über das, was sich verändert, was bleibt und manchmal erst im Rückblick einen Sinn ergibt.

Über persönliche Erfahrungen, Übergänge und Neuanfänge – und über Astrologie als Möglichkeit, das eigene Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

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